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Die Rest in Peace Story
Stand des Verfahrens : Im November 1990 waren die Ermittlungen in Sachen Leiendecker Bloas (Arbeitstitel: Wo is mein Tobaksdos) so weit voran geschritten, daß die ersten Ergebnisse veröffentlicht werden konnten. So erfuhren die KATZ-Leser in Heft 12/90 die Fakten von The Big Frame, der ersten Band der beiden Rädelsführer Helmut Leiendecker und Joachim "Joa" Rother.
In den seitdem vergangenen Monaten waren die Fahnden nicht untätig. Hier ihr nächster Bericht : Was haben ein Motorradhändler, Zollbeamte und ein Kieferchirurg gemeinsam? Welche Rolle spielen diese Herren für 4 junge Burschen, die im Jahr der Olympischen Spiele in München beschließen, eine neue Band zu gründen. Warum findet sich eine Spur dieser Musiker erst dann in München, als diese Olympischen Spiele schon ein Jahr Geschichte sind ?
Das waren die Kernfragen, deren Beantwortung uns in den letzten Monaten so manch schlaflose Nacht bereitet hat. Schließlich gab es immer wieder falsche Spuren, die an den Türen heute längst solider, verheirateter Frauen endeten. Aber nach viel Kleinarbeit können wir jetzt mit Stolz verkünden: Wir wissen, wie es nach der Auflösung von The Big Frame mit Helmut L. und Joachim R. weiterging.
Diese beiden gehören in die Kategorie der musikalischen Überzeugungstäter, und so dauen es nach der schon erwähnten Auflösung vonThe Big Frame 1971 nur wenige Monate, bis sie wieder mit neuer Band auf Trierer Konzertbühnen gesehen werden. Die Band nennt sich Rest In Peace -Ruhe in Frieden. Nur auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Name für eine Band, deren Programm aus härteren Titeln besteht (u.a. Rory Gallagher, Cream). Denn wir wissen, woher der Name kommt: Nach einem Auftritt mit The Big Frame übernachtet Helmut Leiendecker auf einem Friedhof (!), umgeben von Grabsteinen mit der Aufschrift Ruhe in Frieden. Das beeindruckt ihn so, daß er seine nächste Band danach benennen muß.
Diese Band hat in folgender Besetzung im Sommer 1972 im Exzellenzhaus ihren ersten Auftritt: Helmut Leiendecker (Drums), Joa Rother (Gitarre), Günter Klaus (Saxophon), Wolfgang Thiel (Baß). Nach diesem Auftritt soll kurz darauf die offizielle Premiere erfolgen, aber da schlägt das Schicksal zu. Wolfgang Thiel erleidet bei einem Autounfall einen doppelten Kieferbruch, weshalb die Premiere zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben werden muß. Aber da tritt der Kieferchirurg in Aktion, und im September ist der Bassist wieder "funktionstüchtig". Das sorgt bei den restlichen Bandmitgliedern für große Erleichterung, mußten sie doch in den Wochen bis zur Genesung immer einen Seitenschneider (!) bereithalten, denn man konnte nie sicher sein, ob der Bassist das ärztlich verordnete Alkoholverbot einhielt, und mit dem Werkzeug waren sie gerüstet, ihm im Fall des Erbrechens den zugenähten Kiefer aufzuschneiden.
Diese Hilfsbereitschaft dankt Wolfgang Thiel mit viel Spielfreude beim Premierenkonzert in der gutbesuchten (!) Konzer Beethovenhalle, und so wird dieses Konzert ein voller Erfolg. Der Band scheinen trotzdem die musikalischen Möglichkeiten nicht ausgereizt, und so werden mit Klaus Birkel (Tenorlax) und einem gewissen Fletschet (vollständiger Name konnte bisher nicht ermittelt werden), der Trompete spielt, 2 weitete Bläser hinzugenommen. Mit diesen neuen Musikern verlagert sich der Schwerpunkt des Programms auf Titel von Chicago. Erstmals zu hören sind sie in dieser Besetzung am 21.10.72 im luxemburgischen Mertert. Dieser Auftritt sichert ihnen in der Folgezeit mehrere Auftritte im Nachbarland. Natürlich verläuft das Passieren der Grenze nicht immer problemlos.
In den Akten des Zolls fanden wir folgende Aussagen (als Antwort auf die Frage, was sich in den Gitarrenkoffern befinde): "Da ist ein Gewehr drin", und "Da ist Shit drin." Es war leider nicht mehr zu rekonstruieren, von welchem Bandmitglied diese Aussagen stammen. Aber die Konfrontation mit den Beamten konnten Joa Rother & Co kaum beeindrucken. Viel tiefer beeindruckt ist Joa da schon von Mick Box (Urich Heep). Der läuft ihm im M.IC über den Weg nach einem Heep-Auftritt in der Treuiris. Joa: "Es war meine Begegnung der unheimlichen Art" Joa ist so fasziniert, daß ihm fast sein Bier aus der Hand fällt. Er schafft es jedenfalls nicht, mit Mick ein paar Worte zu wechseln. In Trier sind sie danach wiederam 11. 11.72 zu hören. Das Besondere an diesem Auftritt ist nicht, daß beim Soundcheck Scheiben zu Bruch gehen; interessant ist die Vorgruppe, spielt doch dort ein 15-jähriges Bürschchen namens Michael Kiessling...
Im Jahr darauf feiern Rest In Peace ihren größten Erfolg, belegen sie doch bei einem von der KG Heuschreck (!) organisierten Beat-Festival den 3. Platz. Sieger wird Palma Kungel vor Pentagon.
Alle Bands haben eines gemeinsam; sie proben im Exzellenzhaus, und ihre besten Musiker sind noch heute aktiv. Chris Wendt von Palma Kungel bei Goldrush (davor bei der Bloas) und Erich Pützer bei den Rustlers (Diese beiden seien hier nur als Beispiel genannt.).
1972 findet in München die Olympiade statt. Aber erst ein Jahr später fahren Saxophonist Günter Klaus und Bassist Wolfgang Thiel mit einigen Freunden nach München. Günter Klaus dazu: "Zu den Olympischen Spielen kann ich nichts sagen. Wir fuhren an die Isar, um einen zu heben." Uns interessiert an diesem Privattrip nur: Warum sind Helmut und Joa nicht dabei? Warum verzichten sie - was für sie absolut untypisch ist - auf dieses Trinkvergnügen? Es kann nur eine Antwort auf diese Fragen geben. Genau - ihre Musik ist ihnen wichtiger als jedes Bier, denn diese Bierfahrt" findet in der Nacht vor Pfingsten statt, und für Pfingsten sind Rest In Peace für einen Auftritt in Kaste] gebucht. Sie sollen dort vor und nach einem Fußballmatch den Zuschauern einheizen. Was sie auch tun, nur fällt eben der Auftritt vor dem Spiel aus, weil der Bassist und der Saxophonist noch die Autobahn aus Richtung München kommend befahren. In der Halbzeit erscheinen sie endlich, von den Fans lautstark begrüßt. Sie halten trotz des Katers nicht nur durch, sie sind sogar so gut, daß die Band am selben Tag gleich nochmal verpflichtet wird. In die örtliche Disco Babalu. Die Gage paßt zur Stimmung der Band, werden sie doch mit reichlich Whisky bezahlt.
Bis Weihnachten des gleichen Jahres bleibt die Band in dieser Besetzung zusammen, dann steigen die Bläser aus (Zwangsläufig wird der Sound wieder gitarrenorientierter.), und schließlich löst sich die Band Anfang 1974 ganz auf. Aber Helmut und Joa bleiben gemeinsam musikalisch aktiv. Ihre nächste Band heißt The Swingers. Darüber mehr, sobald unsere Fahnder nähere Einzelheiten in Erfahrung bringen konnten.
Angemerkt sei noch, daß Rest In Peace nicht nur gecovert haben, sondern ein beachtlicher Teil des Programms aus Eigenkompositionen bestand.
Wolfgang M. Quelle: Die Katz |
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