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Rock von drei Veteranen und einem Benjamin

Vrontal" (k)eine neue hoffnungsvolle Band der Trierer Musikszene —

Von Roland Morgen


Fußball und Rockmusik können manchmal sehr viel miteinander zu tun haben. Ohne Eintracht Trier und das Moselstadion wäre so auch Vrontal, eine der hoffnungsvollsten Bands der hiesigen Szene, zumindest in der heutigen Besetzung nicht denkbar. Es „geschah" in der Pause eines der Oberliga-Heimspiele des SVE im Winter dieses Jahres, als Walter Felz unvermittelt zwei alte Kumpels fragte, ob sie nicht Lust hätten, in seiner Band mitzu-spielen. Die Kumpels, die wie der Vrontal-Leader seit vielen Jahren Stammgäste bei der Eintracht sind, waren und sind: Martin Herrmann, Triers noch längst nicht graue Eminenz am Schlagzeug, und Joachim Rother, seines Ze­chens ein vorzüglicher Rock-Gitarrist. Und Lust zum Mitmachen hatten beide. So gingen in der Halbzeit dieses denk­würdigen Spiels gleich mehrere Träume in Erfüllung. Walter Felz hatte für den nicht mehr verfügbaren Armin Sommer in Martin Herrmann mehr als nur Ersatz und mit Joachim Rother den idealen Partner für seine Gitarrenparts gefunden. Herrmann und Rother, mit Erfahrungen aus -zig Bands gesegnet, hatten nach diversen anderen musikalischen Episoden noch einmal so richtigen „Bock auf Rock". Drei, die sich gesucht und gefunden hatten – in der Tat eine „Bomben-besetzung", die durch den Bassisten Ralf Gauer (eingefleischter Nicht-Fußball Fan) komplettiert wurde. Daß Ralf Gauer als Musiker ein noch eher unbeschriebenes Blatt ist, hat nichts mit mangelnden Fähigkeiten, sondern mit seinem „zar­ten" Alter von 18 Jahren zu tun. „Benjamin" Gauer drückt das Durchschnittsalter der Band nicht unbeträchtlich, denn Walter Felz ist 27 Jahre alt, Joachim Rother feierte am 25. September seinen 30. Geburtstag und Martin Herrmann ist mit 33 Lenzen der „Senior".

Dem Alter entsprechend dauern auch die Karrieren der einzelnen Musiker an. Linkshänder Gauer begann 1981 bei einer Gruppe namens Waran mit dem Baßzupfen, war im März 1983 Gründungsmitglied• von Vrontal und hat mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht. Walter Felz (den Spitznamen „Doc" hat er wegen seiner früheren Tätigkeit Ortho­pädiemechaniker) begann seine musikalische Laufbahn 1974 bei Source, einer starken Band mit typisch trierischem Merkmal: Sie zerbrach schnell. Weitere Stationen für „Doc" Walter, der damals noch Baß spielte, waren Break, A.C.T. und die Les Chester Band. Joachim Rother machte sich bei Rest In Peace, Gautama Siddharta und Holzwurm einen guten Namen und entwickelte, wie Äbbi Simon (Alb Hardy Orchester) anerkennend meint, einen „unverkennbaren Gi­tarrenstil — unüberhörbar und originell". Martin Herrmanns Werdegang zu beschreiben, hieße Fußbälle in's Mosel-stadion tragen. Seit 1965 ist er in der Trierer Musik-szene tätig, die er als einer der versiertesten Drummer im weiten Umkreis einscheidend mitgeprägt hat.

Die große musikalische Erfahrung, die von den Rock-Veteranen Felz, Rother und Herrmann in die Band-arbeit eingebracht wird, ergeben in Kombination mit dem frischen Spiel Gauers eine Stilpalette, die in Trier ihresgleichen sucht. Walter „Doc" Felz, der – wie es in der Fuß­ballersprache heißt – „Spiel-macher" von Vrontal ist, hat ein eindeutiges Motto

ausgegeben: „Rocksongs,' die abgehn" heißt die Devise – und fürwahr, auf der Bühne geht es dann „gnadenlos" ab. Die scheinbar gelangweilte Mine des „Docs" täuscht. Der Robert-Fripp-Anhänger singt und spielt sich durch ein Programm, zu dem er die weitaus meisten Stücke beigetragen hat.

Thematisch geht es um Zorn, Angst, Liebe und Romantik – in deutscher und englischer Sprache –; normalerweise Allgemeinplätze, aber Vrontal besticht auch. durch Originalität, die bisweilen knallhart, aber nie ab-stoßend wirkt. „Null Erektion", „Barfuß ohne Regen-schirm und Gegenwind", „Der Kanzler" oder „Modern Life" heißen einige beziehungsreiche Titel. Das sehr eingängige „Kinderschlaflied" mit dem sinnigen Namen „Sternennacht" hätte gar Hitchancen.

Vom Musikalischen her betrachtet, ist Vrontal ein Genuss. Dafür sorgen Felz & Rother mit einem feinen Gitarrenspiel, auf der einen Seite eher Jazz-inspiriert, auf der anderen Seite kraftvoll rockig ­ bluesig. Und an den Simmons-Digital- Drums spielt Martin Herrmann mit einer Mischung aus Ästhetik, Routine und Dynamik, dass allein das Zuschauen Freude bereitet. Sound-Anleihen gibt es bei Vrontal einige.  Da lassen zwischendurch mal Wishbone Ash, Peter Green (besonders bei „So far away") und sogar Herman van Veen grüßen. Schaden tut's nicht, denn Vrontal bleibt Vrontal. Der Trierer Musikszene tut diese Band  wirklich gut.

Kontaktadresse: Ralf Gauer, Albanastraße 20, 5500 Trier, Telefon (06 51) 3 32 17, oder Martin Herrmann, (06 51

 

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