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Begeisterungsstürme für Beatbands November 1965
Turbulentes Festival im Parkhotel - Zwischenfälle durch ekstasischen Jubel
Eine schmerzlich empfundene Lücke im Musikleben der Stadt Trier schloß das zur Eröffnung des Hauses Schellenberg veranstaltete Festival der Beatbands des Trierer Raumes im großen Saal des Parkhotels. Nachdem ihm so viele Städte beispielhaft vorangegangen waren, wartete endlich auch Trier mit einer groß angelegten Beatshow auf, an der nicht weniger als zwölf lautstarke Bands teilnahmen.Das Haus Schellenberg , Veranstalter und Initiator des Abends ging dabei von der Ansicht aus, man müsse - nachdem im Rahmen des Eröffnungsprogramms für jeden Geschmack eine musikalische Veranstaltung stattgefunden hatte - -auch dem auf Beat eingestelltem Publikum etwas angemessenes bieten.
Dieses junge Publikum zeigte sich dann auch recht dankbar, und bekundete seine herzliche Verbundenheit mit einem so stürmischen Andrang, daß die Eingangstür dem geballten Druck der Masse nachgab und auseinanderbrach.Anfangs versuchte man noch, die Eindringenden nach ihren Karten zu fragen, gab dieses nutzlose Experiment notgedrungen jedoch bald auf, resigniert feststellend , daß statt der rewarteten 610 Gäste (so viele Karten waren angegeben worden ) mehr als 800 junge Beat-Fans in gespannter Erwartung den Raum bevölkerten,bis auch die letzte Ecke gefüllt war. Die Jury sah sich gezwungen,man hatte spontan ihre Plätze besetzt, auf dem Bühnenrand Zuflucht zu nehmen und von dort ihrer richterlichen Funktion nachzugehen.
Die Bands wurden nach musikalischer Technik, Stilistik und Show bewertet. Außer den Herren Genschow, Bruch und Neyses vom Hause Schellenberg nahmen Vertreter des Publikums an der Wertung teil. Es muß wohl schwierig gewesen sein, aus der grossen Zahl des Gebotenen zu einem gerechten Ergebnis zu gelangen.Jedenfalls weichen die Sieger in der Punktzahl nur wenig voneinander ab. Daß die „Penny Saints“ den ersten Preis davontrugen, scheint indes gerechtfertigt. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Bands spielten sie melodiöser und ruhiger. Zudem schrien sie nicht, sondern sangen relativ zurückhaltend. Den zweiten Preis erhielten die“Gents“ die sich in Gesang und Spiel an den „Rolling Stones“ orientierten. Insgesamt war ihre Darbietung gekonnt; ein großer technischer Aufwand erlaubte interessante Klangeffekte. Den dritten Preis erkannten die Preisrichter den“Rats“ zu, einer sehr wilden und lauten Band. Die Bands glichen sich haüfig
. Es scheint zum Beat zu gehören ein gelernt heiseres Englisch zu singen, das den Zuhörern meist unverständlich bleibt. Eine Ausnahme machten die „Snobs“die auch der ----mäßigen? deutschen Sprache ein Lied zu widmen wagten. Erwähnenswert sind ferner die „Thouse Four“.Ihr auf Show abgestimmter Auftritt interessierte durch den Einschlag erweiterter Harmonien und Kadenzen,sowie durch geschickt angebrachte Modulationen, leider steigerte sich der Gesang im Verlauf der Darbietung zu stark. Wolfgang Werner als Conferencier hatte die unangenehme Aufgabe, nicht nur die Pausen zwischen den Auftritten zu über brücken,sondern noch mehr zu versuchen, die Menge zu beruhigen.
Heikel wurde die Situation allerdings, als wenige Minuten vor Abschluß der Veranstaltung plötzlich die Elektrotechnik versagte.Seitens des Parkhotels hatte man unvermittelt die Stromzufuhr unterbrochen,ein taktischer Fehler, der mehr Unheil anrichtete, als er gut machte. Der Saal tobte vor Entrüstung,und Mitglieder der auf der Bühne befindlichen letzten Band des Wettbewerbs konnten nur mit Mühe und Kraftaufwand davon abgehalten werden, sich an dem „Übeltäter“ auf ihre Weise zu rächen.Bevor noch die Auswertung der Jury-Ergebnisse beginnen konnte, mußten die Zuhörer den Raum verlassen. Für Augenblicke schien es, als dränge die aufgebrachte Menge zur Bühne, um in den Streit einzugreifen; schließlich aber ließ sie sich beruhigen und begnügte sich mit zerbrochenen Bierflaschen. Die Jury tagte anschließend hinter verschlossenen Türen und überlegte, wer denn nun die Preise (Kaufgutscheine im Wert von 250 bis 100 DM) verdient habe.
Bleibt anschließend zu bemerken,daß alle beteiligten Bands - außer den bereits aufgeführten:
„THE RED TIGERS“-“THE KING BEATS“-“THE BLACK CATS“-“THE RED STONES“-“THE KINGS“ „THE BLOCKBUSTERS“-“und „LES ETOILES“ von den Fortschritten der modernen Technik profitierten.
Da kann der berauschte Hörer nur eins bemerken: Ein Hoch der Technik und ihrem Sinn für Kunst;
Die „Beatlemeierzeit“ ist angebrochen!R.W. aus dem „TRIERISCHEM VOLKSFREUND“ im November 1965
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